Stell Dir vor es ist Krieg und keiner sieht hin

In Europa gibt es einen Kriegsschauplatz und es wird kaum darüber berichtet. Die ukrainische Armee sucht die Entscheidung im Kampf gegen die Separatisten, aber die deutschen Medien werden beherrscht von Berichten über Wirtschaftssanktionen gegen Putin. Hier sind einige der spärlichen Informationen über den Krieg.

Wie bereits in einem früheren Artikel auf diesem Blog erwähnt, berichtet Telepolis über Kampfhandlungen. Der Guardian zeigt Zerstörungen in Donetsk, der auch Kinder zum Opfer fallen. AlJazeera berichtet ebenfalls aus Donetsk und spricht von „heavy and brutal fighting“ die sich in die Stadt hinein verlagern. Euronews zeigt weiteres Bildmaterial. Im Bereich der großen Medien findet man Berichte beim Wall Street Journal und BBC.

Ähnliche Bilder gibt es zu Luhansk, hier z.B. ein Video, in dem ein Hochhaus unter Beschuß steht. Bilder von Toten zeigt dieses kurze Video. Luftangriffe auf die Separatisten zeigt dieser Film. Rund 12 Minuten lang ist dieses Video aus der Kampfzone.

Liveleak überschreibt ein Video mit den Worten „Local residents cheer when rebels‘ reinforcement with armored vehicles arrive in Eastern Ukraine“. Den Umgang ukrainischer Truppen mit Gefangenen kann man z.B. hier sehen: Man nennt dies wohl Mißhandlung und Folter.

Natürlich sind diese Bilder und Videos vorsichtig zu behandeln: Wo und wann sie genau aufgenommen wurden, ist schwer festzustellen. Aber eines kann wohl festgehalten werden: Es ist Krieg in Europa und es wird kaum darüber berichtet.

Wer mehr findet, kann dies gerne im Kommentarbereich verlinken.

Und was tut der Spiegel heute: Er titelt „Konflikt mit Russland: Renommierte Sicherheitspolitiker warnen vor Krieg aus Versehen„. Er zeigt darunter ein Bild prorussischer Rebellen und suggeriert so wieder einmal, dass diese von Russland gesteuert sind.

Zu den Untersuchungen der Absturzstelle wird die australische Außenministerin zitiert mit den Worten „“Meine große Sorge ist, dass Russland den Prozess aktiv untergräbt“. Kein Wort davon, dass die Regierung in Kiew den versprochenen Waffenstillstand im Umkreis von 40km um die Absturzstelle brach und die aufflammenden Kampfhandlungen nun den Zugang verhindern. 

Eine Begründung ihrer Sorge gibt sie nicht. In anderen Artikeln wird sie zitiert mit dem Hinweis auf ukrainische Stellen, nach denen die Separatisten den Zugang zur Absturzstelle vermint hätten. Sie musste jedoch, was nicht in allen Berichten ergänzt wird, zugeben: „I don’t know if these reports are confirmed„. Telepolis berichtet ausgewogener über die Gründe für die Behinderung der Absturzstellenuntersuchung.

Und gibt es endlich offizielle Nachrichten von der zweiten Stelle, an welcher der Absturz untersucht wird: Der Analyse der Black Box? Nein, natürlich (?) nicht. Zurecht fragt MMNews daher heute: „Wo bleiben die Fakten?„.


Update

Vielleicht kommt heute doch eine positive Entwicklung in der Ukraine auf den Weg. Nachdem UN-Generalsekretär Ban Ki-moon gestern einen sofortigen Waffenstillstand fordert, scheinen alle Seiten sich zu Verhandlungen bereit zu erklären. Was daraus wird, steht auf einem anderen Blatt. Es wird interessant sein zu beobachten, wer diese Entwicklung unterstützt und wer sie behindert.

Der Stern berichtet in seinem News-Ticker:

+++ 10.09 Uhr: Kiew kündigt eintägige Feuerpause in Ostukraine an +++

Auf Bitten der Vereinten Nationen hat die ukrainische Armee eine eintägige Feuerpause für den umkämpften Osten des Landes angekündigt. Ziel sei es, internationalen Experten den Zugang zur Absturzstelle von Flug MH17 zu ermöglichen, so Militärsprecher Olexij Dmytraschkiwski. Er spricht von einem „Tag der Ruhe“, der auf Bitten von UN-Generalsekretär Ban Ki Moon ausgerufen werde.

+++ 10.28 Uhr: Krisengespräch in Minsk nimmt Formen an +++

Die prorussischen Separatisten in der Ostukraine haben ihre Teilnahme an geplanten Krisengesprächen in der weißrussischen Hauptstadt Minsk bestätigt. „Machen Sie sich darüber keine Sorgen“, so der Regierungschef der selbst ernannten „Volksrepublik Donezk“, Alexander Borodaj. Ob die Aufständischen einen Vertreter nach Minsk entsenden oder per Videokonferenz zugeschaltet werden, ist unklar. Auch der russische Diplomat Michail Surabow hat seine Teilnahme bestätigt. Zudem werden Vertreter der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) und der Führung in Kiew erwartet. Einen genauen Termin gibt es noch nicht.

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