Der Spiegel und Putin: Fortsetzung der Manipulation

Leider setzte sich heute die manipulative Berichterstattung über den Ukraine-Konflikt und den Abschuss des Passagierflugzeugs MH17 fort. Als Beispiel möchte ich den Spiegel herausgreifen. Das dort Menschen, die vor dem Spielzeug eines toten Kindes die Kopfbedeckung abziehen und sich bekreuzigen, als „betrunkene Gorillas, die sich zwischen Kinderleichen so aufführen, als seien sie auf einer Kirmes“ diffamiert werden, hatte ich schon berichtet. Leider weitet sich dieser Stil aus.

„Stoppt Putin jetzt !“

Das steht auf dem Titelbild des aktuellen Spiegels vom 28.7. umgeben von Bildern fröhlich lachender Menschen: Den Bildern der Toten vom 17.7.. Bereits dieses Titelbild ist pure Demagogie. Es suggeriert, dass Putin persönlich verantwortlich ist für den Tod dieser Menschen.

Im Leitartikel, welcher überschrieben ist mit „Ende der Feigheit“, geht es in diesem Stil weiter. Die Überschrift unterstellt, dass man gegen Putin nichts unternimmt, weil der Mut dazu fehle und nicht etwa, weil es keine Beweise gibt. Der Untertitel des Leitartikels lautet „Europa muss Putin für den Abschuss von Flug MH17 zur Rechenschaft ziehen“. Klarer kann man die Lüge nicht formulieren, dass er persönlich für den Abschuss und den Tod Unschuldiger verantwortlich ist.

Die ersten drei Abschnitte des Leitartikels bilden einen Dreiklang:

  1. Emotionen schüren: Da ist die Rede von der Absturzstelle, die ein Albtraum ist und von Leichenteilen zwischen Sonnenblumen. Es wird aber auch schon angeklagt: Die Welt sei Zeuge geworden, wie marodierende Banditen in Uniform die Toten bestahlen. War sie das? Oft wurden dazu die Bilder eines Separatisten mit einem Goldring in der Hand gezeigt (das Video legt nahe, dass er darin zur Identifikation nach einem eingravierten Namen sucht) oder von einem Separatisten mit einen Teddybär (den er niederlegt und sich bekreuzigt).
  2. „Schuldige“ angreifen: Hier hätte sich Putins wahres Gesicht gezeigt, so heißt es. Putin sei „enttarnt“ und ein Paria der Weltgemeinschaft: Eine Vokabel die Newsweek in einem ebenso polemischen Titelblatt prägte, auf dem Putin als „public enemy number one“ bezeichnet wird. Die Toten seien auch seine Toten, er sei mitverantwortlich und müsse nun zum Einlenken gezwungen werden.
  3. „Belege“ liefern: Der Spiegel weiß, dass seine Leser durch Emotionen allein nicht zu überzeugen sind. Das Problem ist, dass es keine Belege für die Schuld Putins gibt. Und dementsprechend dünn fällt dann auch der dritte Abschnitt aus: „Niemand im Westen zweifelt noch ernsthaft daran“ das die Separatisten mit einem „höchstwahrscheinlich“ aus Russland erhaltenem BUK-System die Boeing abschoss. „Die Indizienkette ist eindeutig“ heißt es und es wird auf den Hauptartikel verwiesen.

Bewiesen ist jedoch nichts davon und der Hauptartikel beginnt mit der gleichen Logik: Emotionen schüren. Die ersten Worte lauten: „Es waren die Bilder. Tumb tätowierte prorussische Kämpfer, Zigarette im Mund, Kalaschnikow unter dem Arm stapfen im Leichen- und Trümmerfeld der Absturzstelle herum, als gingen sie die toten Kinder aus der abgeschossenen Boeing nichts an.“

Da ist sie wieder: Die Lüge, welche durch das Video, aus dem diese Bilder stammen, längst widerlegt ist. Ein Separatist zeigt darin OSZE-Beobachtern die Absturzstelle, hebt das Spielzeug eines Kindes hoch um es den Fotographen zu zeigen, legt es ab und bekreuzigt sich. Wer die ersten anderthalb Minuten dieses Videos gesehen hat, den kann die Schäbigkeit der fortgesetzten Lügen des Spiegels nur noch mit Ekel erfüllen.

Spiegel-Online

Aber nicht nur die Printausgabe des Spiegels versucht mit Bildern zu manipulieren, welche die Wahrheit in ihr Gegenteil verkehren. Eine Schlagzeile lautete heute „Menschenrechtsbericht zur Ukraine: Uno wirft Separatisten Schreckensherrschaft vor“. Darunter ist das Bild einer zerstörten Ortschaft zu sehen. Dieser Ort wurde jedoch nicht von Separatisten derart zugerichtet, sondern von der ukrainischen Luftwaffe zerbombt: Hier werden Opfer zu Tätern gemacht.

Klickt man in die Fotostrecke des Artikels, so wird als Ort, an dem dieses Bild aufgenommen wurde, das Dorf Stanitsa Luhanskaja genannt. Erst unter dem zweiten Bild steht dann, dass dieser Ort bei einem Luftangriff ukrainischer Kampfbomber zerstört wurde. Die 90% der Leser, die sich bis dahin nicht durchklicken, stehen unter dem Ersteindruck des Bildes unter der irreführenden Schlagzeile. In der zweiten Hälfte dieses Videos sieht man übrigens das im Aufmacherbild gezeigte zerstörte Haus. Wer im Umfeld dieses Videos bei Youtube weiter klickt, findet zahlreiche Filme, welche die Opfer unter der Zivilbevölkerung dieser und früherer Bombardierungen durch die ukrainische Luftwaffe zeigen.

Auch andere Artikel des Spiegels vergreifen sich schon in den Titeln massiv in der Wortwahl: Da ist die Rede von „Atombomben des Finanzkriegs“ und von fest geschlossenen Reihen des Westens gegen Putin. Dem Spiegel unterstelle ich dabei keine Absicht, aber Dummheit: Diese Formulierung ist im Land des Horst-Wessel-Lieds mit Vorsicht zu benutzen.

Ein anderer Artikel lautete „Deutsche befürworten härtere Sanktionen gegen Putin„. Als dann in der Kommentarsektion des Artikels deutlich gemacht wurde, dass nicht alle Deutschen dies so sehen, wurde der Kommentarbereich kurzerhand geschlossen und die bereits eingegangenen Kommentare gelöscht.

Andere Medien sind leider nicht besser:

  • Auch die FAZ greift das Wort „Schreckensherrschaft“ auf und unterlegt es mit einem Bild bewaffneter Separatisten. Führt man für dieses Foto eine Google-Bildsuche durch, so findet man es beim Wall Street Journal: Dort hat der Text zum Bild jedoch nichts mit Schreckensherrschaft zu tun. Er lautet „Bewaffnete pro-russische Separatisten bewachen den Wagon mit den Opfern von Flug MH17“.
  • Gestern schrieb die FAZ „Putins kurze Beine„. Von Russland vorgelegte Informationen zum Absturz werden ohne Angabe von Gründen als Lügen bezeichnet. Dem Autor der Zeilen steht dermaßen der Schaum vor dem Mund, dass er schreibt „Bewaffnete Sadisten behinderten das Bergen der Opfer und die Tatort-Ermittlungen“ statt Separatisten. Er wirft den Separatisten vor, dass Leichen tagelang in der Sonne lagen. Umgekehrt warf der Spiegel den Separatisten vor, die Leichen geborgen zu haben: „Rebellen gestehen Abtransport von Leichen“ hieß der Titel. Das sie damit kein Verbrechen „gestanden“, war erst im Text zu lesen: Der Abtransport erfolgte in Anwesenheit von OSZE-Beobachtern.
  • Der Focus liefert die Titelzeile „Brief an Putin: Vielen Dank für die Ermordung meines einzigen Kindes“. Das der Brief nicht nur an Putin gerichtet ist, sondern auch an die Separatisten und die Regierung in Kiew, ergibt erst der Text des Artikels. Das der verzweifelte Vater Putin unter anderem den unsinnigen Vorwurf macht, die Absturzstelle nicht mit russischem Militär zu sichern, wird nicht erwähnt.
  • Das ZDF hatte in der Politik-Satiresendung „Die Anstalt“ vom 29.4. eine Sternstunde deutschen Kabaretts hingelegt. Darin wurde die Verflechtung der deutschen Printmedien z.B. mit NATO-nahen Organisationen brilliant dargestellt. Auf diese Verflechtungen wurde auch schon im Februar in einer Studie der Universität Leipzig hingewiesen. Aufgrund von rechtlichen Schritten der Zeit hat das ZDF den Beitrag aus der Mediathek genommen: Ein guter Grund diesen erst recht anzuschauen.

Belege?

Zur Erinnerung: Nichts ist bewiesen, sondern alle Vorwürfe beruhen auf Spekulationen. Auch ich spekulierte. Auf Basis dieser Spekulationen entfacht der Westen nun einen Wirtschaftskrieg und lässt ukrainische Truppen bei ihrem Vormarsch frei gewähren, statt die versprochene Waffenruhe einzufordern. Zur Erinnerung: Poroschenko versprach vor einer Woche im Umkreis von 40km um die Absturzstelle Waffenstillstand zu halten, um die Untersuchungen nicht zu behindern. Nun rücken seine Truppen vor, so dass OSZE-Ermittler nicht zur MH17 gelangen können. Russland wirft deswegen der US-Regierung Behinderung der Aufklärung vor.

Die einzige Seite, welche Radar- und Satellitenbilder zum Absturzhergang zeigte, ist die russische. Ihre Interpretation etwa der Radarbilder der SU-25 am Absturzort dürfte falsch sein, aber sie liefern zumindest Daten. Was tun die anderen Seiten?

  • Von amerikanischer Seite wurden Satellitenbilder aus dem Jahre 2010 von Digital Globe vorgelegt. Ein BUK-System erzeugt bei der Anpeilung des Zieles ein erhebliches Radarsignal: Niemand hat dies niemand gemessen außer den Russen?
  • Die ukrainische Regierung hält die Gesprächsprotokolle der Fluglotsen mit MH17 zurück und seit Tagen hört man nichts von der Auswertung der Black Box des abgestürzten Flugzeugs durch die Engländer und Niederländer.

Zum letzten Punkt gab es jedoch heute im Spiegel einen interessanten Artikel. Im Titel steht etwas zunächst albern klingendes: „Kiew bezeichnet durchlöcherten Rumpf als Absturzursache“. Dies ist angesichts der seit Tagen vorliegenden Fotos nichts Neues. Es geht scheinbar langweilig weiter: Die ukrainische Regierung bezeichne „Druckabfall in Verbindung mit einer starken Explosion“ als Absturzursache. Dies ist ebenfalls keine Überraschung.

Aber dann kommt unscheinbar der entscheidende Satz: „Die Auswertung der Flugschreiber durch internationale Experten habe ergeben“ heißt es da. Wieso werden diese Informationen nicht veröffentlicht? Erfindet die Regierung in Kiew diese Aussage oder sind die Flugschreiber ausgewertet und die ersten Ergebnisse der Regierung in Kiew, den auswertenden Briten, dem leitenden Büro der Niederländer und den Amerikaner bekannt? Laut Russia-Today bezeichnet die niederländische Seite die Information als voreilig.

Schlussbemerkung

Zwei Anmerkungen zum Schluss, bevor das platte Wort „Putinversteher“ ein weiteres Mal hervorgekramt wird, um ohne Argumente zu diskutieren:

  • Ich lese und schätzte den Spiegel seit mehr als 30 Jahren als eine meine Hauptnachrichtenquellen. Dies ist vorbei.
  • Ich mag Putin nicht: Nicht seine Selbstinszenierung als starker Mann und nicht seinen Umgang mit der Presse oder Minderheiten.

Noch weniger mag ich es allerdings, tatenlos den Manipulationsmethoden angeblicher „Qualitätsmedien“ zuzusehen. Statt Wirtschaftskrieg gegen Russland sind drei Dinge zu tun:

  1. Waffenstillstand, zu dem Russland und EU auf Separatisten und Kiew einwirken
  2. Untersuchungen des MH17-Absturz mit Kooperation aller Parteien
  3. Verhandlungen unter Einbeziehung der Separatisten

 


Zur Erinnerung

Vor etwas mehr als 25 Jahren schoß der US-Raketenkreuzer Vincennes eine Airbus A300 mit 290 Passagieren der Fluggesellschaft Iran Air ab. Der Kapitän des Schiffes erhielt zwei Jahre später von Präsident Bush den „Legion of Merit“-Orden für außerordentliche Pflichterfüllung im Einsatz.

 

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Ein Gedanke zu “Der Spiegel und Putin: Fortsetzung der Manipulation

  1. Ihrem Artikel kann ich nur nachdrücklichst zustimmen, da ich den Gang der Ereignisse in der Ukraine aufmerksam im Netz verfolgt habe.

    Vielleicht noch dies: Ich habe seit ein paar Wochen, weil mich die unsachliche und einseitige „Berichterstattung“ von SZ, FAZ, Zeit, Spiegel etc. zum Bürgerkrieg in der Ukraine einigermaßen aufgebracht hatte, versucht, entsprechende Kommentare zu SPON Artikeln unterzubringen. Anscheinend wurde ich sofort als „Putin Troll“ (fehl-)identifiziert und 90 % meiner Kommentare fielen der Mediatoren-Zensur zum Opfer. Eine Nachfrage per e-mail, die mit der Bitte verbunden war, man möge meinen SPON-Account löschen, falls man keine Möglichkeit sähe, zu den Gründen der Zensur Auskunft zu geben, blieb zunächst unbeantwortet. Erst die Androhung juristischer Schritte in einer Nachfolgemail führt zwar nicht zu einer Auskunft aber wenigstens zur Löschung des SPON-Accounts.

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