MH17: Aufklärungsarbeit und eine Hypothese

In meinen Beitrag zu Brown Moses und seiner Aufklärungsarbeit schrieb ich, dass sich alle Beteiligten „angeblich“ eine Aufklärung wünschen. Das hat seinen Grund. Außerdem scheint es nur eine Theorie zu geben, welche wirklich alle bisherigen Fakten zum Absturz der MH17 in der Ukraine erklärt: Aber diese Theorie wird noch nicht in den Medien diskutiert.

Die amerikanische Seite legt keinerlei Belege vor, während die russische z.B. Radarinformationen vorlegte, die man diskutieren kann. Dabei kann dann natürlich eine Widerlegung wie im Fall von Brown Moses herauskommen. Die Prüfung der weiteren russischen Behauptungen wäre noch interessanter. Laut russischen Angaben war ein SU-25 Kampfflugzeug im Umfeld von MH17: Die Russen legen nahe, dass diese Maschine MH17 abschoss. Dies wurde in zahlreichen Medienberichten als technisch unmöglich bewertet, da dieses Flugzeug nicht entsprechend hoch fliegen kann: Es ist in erster Linie zur Bekämpfung von Bodenzielen gedacht, aber mit entsprechenden Raketen ausgestattet, würde es auch andere Flugzeuge angreifen können.

Die russischen Behauptungen können bisher nur durch Indizien ergänzt werden, die aber überaus interessant sind:

  • Entsprechende Augenzeugenberichte über Militärmaschinen unterhalb der MH17 im Beitrag einer russischen BBC-Reporterin wurden zensiert. Warum erklärt die BBC nur sehr ausweichend. Hier ist ein Text der BBC in russisch: Google-Translate kann helfen.
  • Der ukrainische Geheimdienst hält Beweise zurück, z.B. den Mitschnitt des Funkverkehrs zwischen MH17 und ukrainischen Fluglotsen. Laut Angaben der „Times of India“ hat eine indische Maschine den Funkverkehr mitgehört: Angeblich erhielt MH17 kurz vor dem Absturz eine Erlaubnis zur Kursänderung. Wie verrückt ist es, die Seite der Separatisten zu verurteilen, weil sie die Black Box spät herausgaben (nach Eintreffen der Experten aus Malaysia), aber die Unterschlagung der Funkprotokolle durch den Geheimdienst der Ukraine in den Medien praktisch nicht zu thematisieren?
  • Bereits seit Mitte Juni findet man im Internet ein Video (entscheidende Stelle ab 1:10), in dem eine Soldatin der Separatisten erklärt, dass sich ukrainische Kampfflugzeuge bei Angriffen gerne in der Nähe von Passagiermaschinen aufhalten, damit sie nicht beschossen werden (oder, wie Sie vermutet, um den Abschuss der Zivilmaschinen zu provozieren).

Fügt man diese Indizien zusammen, wird eine Hypothese plausibel: Die Separatisten haben MH17 ungewollt abgeschossen, weil sie ein SU-25 Kampfflugzeug ins Visier nahmen, das gezielt versuchte, sich durch die Nähe zur Zivilmaschine vor Raketenangriffen zu schützen.

Man kann in guter wissenschaftlicher Tradition nur basierend auf Fakten eine vorläufige Theorie erstellen, die alle vorliegenden Indizien möglichst gut erklärt. Kommen widerlegende Fakten, muss die Theorie geändert werden. Aus meiner Sicht erklärt nur eine Theorie alle vorliegenden Fakten:

Eine SU-25 der ukrainischen Armee suchte zum Schutz vor Raketenangriffen die Nähe der Zivilmaschine und flog unter ihr. Die Separatisten versuchten sie abzuschießen und trafen ungewollt MH17, vermutlich ohne die Zivilmaschine überhaupt vorher zu bemerken.

Die Theorie integriert z.B. folgende Fakten:

  1. Radardaten der Russen über SU-25 und Kursänderung vor Absturz
  2. Twittermeldung eines spanischen Lotsen über Militärmaschine
  3. Augenzeugen der BBC die Militärmaschine sahen
  4. Muster der Einschusslöcher die auf BUK-System hindeuten
  5. Zurückhaltung amerikanischer Daten
  6. Nichtveröffentlichung von Funkverkehrsdaten ukrainischer Lotsen
  7. Strategie ukrainischer Militärflugzeuge die Nähe von Zivilflugzeugen zu suchen
  8. Versuch der Separatisten ein BUK-System mit fehlender Rakete zu verstecken
  9. geringe Erfahrung der Separatisten mit dem BUK-System
  10. erste Meldungen der Separatisten über Abschuss einer Militärmaschine

Diese Hypothese kann auf mehrere Arten geprüft werden:

  • Der vom ukrainischen Geheimdienst zurückgehaltene Funkverkehr von MH17 könnte darüber Aufschluss geben. Die russische Seite berichtet von einer Kursänderung der MH17 vor dem Absturz: Vielleicht haben die Fluglotsen vor der Annäherung einer Militärmaschine gewarnt.
  • Es wird interessant sein zu erfahren, welche Informationen die Black Box der MH17 liefert. Die Daten wurde bereits am 23.7. ausgelesen, aber es gibt seitdem anscheinend keine Artikel über Ergebnisse: Funkstille statt Informationen über den Funkverkehr. Es wurde angekündigt, dass die Auswertung länger dauern kann, aber sollte da nicht bald etwas kommen, dürften sich Diskussionen über den Aufklärungswillen aller Parteien erübrigen. Das Auslesen des Funkverkehrs und der Cockpitgespräche sollte relativ rasch möglich sein.
  • Ermittler vor Ort können gezielt nach Augenzeugen suchen, welche den Bericht der BBC-Reporterin bestätigen oder nicht.
  • Amerikaner und Ukrainer können Radardaten und Satellitenbilder veröffentlichen. Zumindest können alle Parteien gemeinsam die vorgelegten russischen Daten prüfen statt sie zu ignorieren.
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3 Gedanken zu “MH17: Aufklärungsarbeit und eine Hypothese

  1. Es Haakt bei zwei Punkten:

    1.) Woher hatten die Rebellen ein BUK System? Die Reuters Meldung darüber war nachgewiesenermaßen ein Hoax.
    2.) Ein BUK System ist kein simples schultergestüztes fire and forget MANPAD. Es ein ein hochkomplexes System was ein Dutzend ausgebildeter Experten in 3 Fahrzeugen braucht. Es schiesst nicht einfch mal danben weil die Rakete vom Boden aus kontroliert und nachgestuert wird. Ohne das Radar und die Steuerung ist ein Treffer unmöglich, und vor allem kein zufälliger.

    Ansonsten ein sehr guter Blog!!

    • Sehe ich auch so: Dies sind zwei wichtige Fragen.

      zu 1) Die beiden Möglichkeiten sind ja

      a) von den Russen: Dazu passen Meldungen wie „Weg der Rakete“ bei N24
      http://www.n24.de/n24/Nachrichten/Politik/d/5150514/so-kommen-russische-waffen-in-die-ukraine.html
      und auch die Aufklärungsarbeit von Brown Moses weist in diese Richtung.

      b) aus den Beständen der Ukraine. Die verfügen über rund 60 Systeme.
      http://de.wikipedia.org/wiki/SA-11_Gadfly#Nutzer
      Viele Soldaten der ukrainischen Armee sind zu den Separatisten übergelaufen: Den Weg werden auch Waffen gefunden haben.

      Beide Erklärungen sind plausibel.

      zu 2) Die Hypothese, dass dies russische Experten waren ist weder widerlegt noch bestätigt. Es können genauso gut Separatisten gewesen sein, welche das BUK-System bedienten. Es wird gerne der Eindruck vermittelt, diese seien militärisch unbedarft. Natürlich gibt es aber auch in der Ostukraine Profisoldaten (plus die Übergelaufenen) und es herrscht dort Wehrpflicht. Auch hier ist daher beides möglich.

      Und dann gibt es natürlich noch die Hypothese, dass es ein BUK-System der ukrainischen Armee war, z.B. weil sie versucht haben sollen, die Maschine Putins abzuschießen, mit der er nach Russland etwa zeitgleich zurückreiste. Dann hätte die Ukraine allerdings unplausibel schlechte Aufklärungsarbeit geleistet.

      Ein sehr guter Artikel über die Luftabwehrsysteme (BUK und Schultergestützte) erschien auf der Luftfahrtseite Austrian Wings:
      http://www.austrianwings.info/2014/07/mh17-abschuss-hintergruende-zum-russischen-raktensystem-buk/

      Dort wird auch darauf hingewiesen, dass die bei der Radarortung durch ein BUK-System entstehenden starken Signale eigentlich nicht nur den Russen, sondern auch den Ukrainern und Amerikanern aufgefallen sein müssten, die aber keine Aussagen über ihre Aufzeichnungen machen.

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