Drei kleine Geschichten zum Christentum

Als Devotionalie zum Papstrücktritt möchte ich drei kleine Geschichten anbieten, die alle mit dem heutigen Tag, dem 12. Februar, zu tun haben und entfernt auch mit dem Papst. Viel Spaß !

  • Der demokratische Papst
  • Christenverfolgung mit den Füßen
  • Radio Vatikan und der twitternde Papst

also dann …

12. Februar 1049: Der demokratische Papst

Päpste werden in einem Konklave von Kardinälen gewählt: So haben wir es alle gelernt und in den Nachrichten schon gesehen. Dies ist zwar eine Abstimmung, aber noch keine Demokratie, denn in diesem Begriff steckt das Wörtchen „demos“, also das Volk. Dieses in die Wahl des Papstes einzubinden, scheuen konservative Kirchenführer wie der Teufel das Weihwasser. Da warnen Bischöfe durchaus schon einmal davor, dass „manche Kreise in der Kirche das Amt basisdemokratisch legitimiert wissen möchten„. Das ist schlecht, denn „dann bedroht eine solche Gleichmacherei von unten letztlich die Vielfalt der Gnadengaben in der Kirche„.

Das sah mancher Papst schon vor rund 1000 Jahren anders. Damals mussten sich Päpste oft davor fürchten, innerhalb kürzester Zeit wieder von mächtigen italienischen Familienclans, den Einwohnern Roms oder den Fürsten seiner Zeit aus dem Amt getrieben zu werden. Leicht konnte dies das Leben kosten und selbst der Tod schützte nicht vor weiterer Verfolgung, wie die Leichensynode von 897 zeigte, bei der man einen Papst einfach wieder ausgrub und auf einen Gerichtsstuhl setzte um dem verwesenden Körper posthum den Prozess zu machen.

Es war daher nicht dumm, sich der Loyalität der verschiedenen Instanzen zu versichern, bevor man den Papstthron bestieg. So tat es am 12. Februar 1049 Papst Leo IX.: Er war der Favorit des Kaisers Heinrich III., holte sich aber zusätzlich noch die Bestätigung der italienischen Priesterschaft und des römischen Volkes ein, bevor er den Papstthron bestieg.

Angesichts der Spannungen in der katholischen Kirche zwischen konservativen und reformorientierten Kräften wäre dies vielleicht auch für den neuen Papst keine dumme Idee, da die Gefahr einer Kirchenspaltung nie ganz ausgeschlossen ist. In Deutschland haben wir immerhin schon das etwas moderner eingestellte Zentralkomitee der Deutschen Katholiken und die konservative Gegenorganisation des Forums Deutscher Katholiken, das im Islam „natürliche Verbündete“ der katholischen Kirche im Kampf gegen Atheisten sieht.

Das mit Kirchenspaltungen nicht zu spaßen ist, musste auch der anfangs so konsensorientierte Leo merken: Ausgerechnet den Hardliner Kardinal Humbert von Silva Candida entsandte er zu Verhandlungen nach Byzanz um über die Einheit der Kirche zu verhandeln. Mit getürkten Briefen und verfälschtem Glaubensbekenntnis ging Humbert in die Verhandlungen, beschimpfte seine Gesprächspartner als Bordellbesucher und setzte die Verhandlungen so an die Wand, dass sich er und der Patriarch von Konstantinopel gegenseitig exkommunizierten. Die Folge war das Morgenländische Schisma von 1054, also die Spaltung der katholischen und der orthodoxen Kirche, die bis heute anhält. Merke also: Konsens hilft.

12. Februar 1858: Christenverfolgung mit den Füßen

Schon mal etwas von japanischen Fumi-e gehört? Nein? Kein Wunder: Das Thema ist in Europa wenig bekannt. Es handelte sich dabei um eine besonders merkwürdige Form der Christenverfolgung in Japan, die am 12. Februar 1858 zumindest offiziell im Rahmen von Verträgen beendet wurde.

Im Jahr 1549 begann die christliche Missionierung in Japan durch die Jesuiten, also in einer Zeit, als in Europa gerade die Spaltung von Katholiken und Protestanten auf Hochtouren lief. Rund einhundert Jahre lief die Mission, bis sie als Folge des Shimabara-Bauernaufstands 1637 endgültig beendet wurde. Bei diesem Aufstand ging es eigentlich um den Kampf gegen eine drückende Steuerlast, aber die aufständischen Bauern waren zu einem großen Teil Christen, was dem Ganzen eine religiöse Komponente gab. Misstrauen gegenüber den katholischen Spaniern und Portugiesen und ihren Handelsgeschäften taten ein übriges. Die Verfolgung nahm aber bereits früh gewalttätige Züge an, z.B. die Kreuzigungen der sogenannten Märtyrer von Nagasaki im Jahre 1597.

Eine für die Betroffenen nicht lustige Kuriosität waren die Tretbilder: Die Fumi-e. Diese zeigten z.B. Bilder der Jungfrau Maria oder der Kreuzigung Jesu auf Stein- und Metallplatten. Mit diesen Bildern konnte ein Gläubigkeitsschnelltest durchgeführt werden: Wer verdächtigt war, ein Christ zu sein, wurde den zuständigen Behörden vorgeführt und aufgefordert, auf den Bildern herumzutrampeln. Da dieses Verfahren beliebt war, genügten die zu Beginn verwendeten Holz- oder Papierbilder nicht mehr: Sie nutzten sich zu schnell ab.

Ein ganz exaktes Datum für die Beendigung dieser Praxis ist eigentlich nicht ganz korrekt, weil die Fumi-e in verschiedenen Gegenden zu unterschiedlichen Zeiten abgeschafft wurde: Im schon genannten Nagasaki etwas früher, in abgelegeneren Gebieten erst mit der Aufhebung des Christentumverbots 1873. Und wer z.B. den Candide des großen Aufklärers Voltaire liest, wird sich dann über Sätze wie den folgenden nicht mehr wundern: „Schocktausend Pestilenz! Herr, ich bin Matros und aus Batavia; bin viermal in Japan gewest und habs Kruzifix viermal mit Füßen getreten.

12. Februar 1931: Radio Vatikan und der twitternde Papst

Papst Benedikt XVI. war der erste twitternde Papst und hat mit bisher 32 Tweets immerhin fast 55.000 Follower generiert: Ein gutes Verhältnis, auch wenn er damit vielleicht nicht alle Katholiken erreicht hat und leicht hinter den Erwartungen zurückblieb.

An einem 12. Februar tat aber ein anderer Papst einen großen technischen Schritt in die Welt: 1931 war es Papst Pius XI., welcher die erste Nachricht über Radio Vatikan verbreitete, der natürlich auch eine deutsche Stimme hat. Das Hauptproblem von Pius XI. war die römische Frage: Nachdem 1870 die Franzosen ihre Schutztruppen aus Rom abzogen – sie mussten sich leider mit den Deutschen prügeln – besetzten italienische Soldaten den Vatikan und lösten den Kirchenstaat kurzerhand auf. Plötzlich hatte der Papst erstmals keinen Staat mehr und Papst Pius IX.bezeichnete sich als „Gefangener im Vatikan“.

Erst seinem Nachfolger Pius XI. wurde eine Lösung angeboten. Der Helfer war der „Duce“: Der Faschist Mussolini, der dem Papst in den Lateranverträgen 1929 wieder ein Territorium anvertraute. Das mit dem zusätzlich fließenden Geld der Vatikan auch Territorien in z.B. London eroberte, wird erst heute etwas transparenter. Und weil es mit einem Faschisten gut funktioniert hatte, versuchte es Pius XI. auch mit dem deutschen Führer 1933 im Reichskonkordat und seine Nachfolger mit dem dritten europäischen „Führer“ Franco 1953.

Zwischen Lateranverträgen und Reichskonkordat nahm Radio Vatikan 1931 also seine Arbeit auf: Der Papst sprach ein „Qui arcano Dei consiglio„. Heute sendet Radio Vatikan in fast 50 Sprachen – kein Sender ist mehrsprachiger – finanziert vom Heiligen Stuhl und geleitet von dem deutschen Jesuiten Bernd Hagenkord. Es gibt nicht nur Radiosendungen, sondern auch die Internetseiten inklusive Blog und „Vatikan Player“ sowie eine Buchreihe.

Das Radio Vatikan schon einmal von Anonymous gehackt wurde, kann man als Ankommen in der Gegenwart ansehen. Die über Jahre existierenden Vorwürfe, Radio Vatikan würde Blutkrebs erzeugen, eher nicht. Den wahren Grund für die Existenz des Senders hat sein früherer Leiter Eberhard von Gemmingen, der einst bei Ratzinger studierte und gerade in Maischbergers Talk-Show zum Thema Papst-Rücktritt sitzt, allerdings verraten. Er existiert, um Notfalls in der Welt um Hilfe zu rufen. Zitat …

Meine Interpretation für die Gründung von Radio Vatikan durch Papst Pius XI. lautet etwa so: Er hat ja erfahren, dass der kleine Minivatikanstaat praktisch eingesperrt war in dem neu gegründeten italienischen Staat Italien. Wenn noch einmal ein böser italienischer Staat uns übel will und uns das Wasser absperrt oder den elektrischen Strom, dann haben wir mit dem Radio die Möglichkeit der ganzen Welt zu verkünden, hier ist jemand am verhungern, der Papst verhungert, verdurstet, hat keinen Strom mehr, etc..

Nun: Verhungert ist noch kein Papst und in der Geschichte des Papsttums scheint Völlerei das grössere Problem zu sein. Heute vertritt Eberhard von Gemmingen auch durchaus radikale Ansichten: Er meint, dass Jesus den aktuellen Prunk der Kirche wohl beseitigen würde und fordert „Strukturreform und eine Entmachtung des Vatikan„. Diese Botschaft wird über Radio Vatikan aber wohl nicht verbreitet.

 

5 Gedanken zu “Drei kleine Geschichten zum Christentum

  1. Soso. Na dann wissen wir ja auch, warum der Ratze mit dem twittern angefangen hat. Wer hört denn heutzutage noch Radio? Ich warte nur auf sowas wie
    „@berlusconi steht vor der Tür und will beichten. Hilfe!“

  2. Wenn Pater von Gemmingen sich so (…) ausdrückt, dann hat er sehr wahrscheinlich Seine Heiligkeit von G. Nuzzi gelesen. Da wäre dann schon eine Schocktherapie nicht abwegig.

  3. Der Konkordatsvertrag sei ein Bündnisvertag zwischen der katholischen Kirche und dem Naziregime ist schlichtweg eine Luege.
    Es gibt es immer noch Organisationen, die diese Luege gerne verbreiten, um die katholische Kirche zu als Unterstützung der Hitlerdiktatur darstellen zu können.

    • Das kommt darauf an, was man unter den Worten „Bündnis“ und „Unterstützung“ versteht. Am besten macht sich jeder selbst ein Bild. Die ersten Worte des Vertrags lauten:

      „Seine Heiligkeit Papst Pius XI. und der Deutsche Reichspräsident, von dem gemeinsamen Wunsche geleitet, die zwischen dem Heiligen Stuhl und dem Deutschen Reich bestehenden freundschaftlichen Beziehungen zu festigen und zu fördern.“

      Artikel 16 beginnt mit: „Bevor die Bischöfe von ihrer Diözese Besitz ergreifen, leisten sie in die Hand des Reichsstatthalters in dem zuständigen Lande bzw. des Reichspräsidenten einen Treueid nach folgender Formel: Vor Gott und auf die heiligen Evangelien schwöre und verspreche ich, so wie es einem Bischof geziemt, dem Deutschen Reich und dem Lande Treue.“

      Artikel 30 lautet: „An den Sonntagen und den gebotenen Feiertagen wird in den Bischofskirchen sowie in den Pfarr-, Filial- und Klosterkirchen des Deutschen Reiches im Anschluß an den Hauptgottesdienst, entsprechend den Vorschriften der kirchlichen Liturgie, ein Gebet für das Wohlergehen des Deutschen Reiches und Volkes eingelegt.“

      Hier ein Link zum vollständigen Text:

      http://kulturserver-hessen.de/home/zeitzeichen/konkodat.htm

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