Neuigkeiten zur Evolution

In den letzten Tagen erschienen einige interessante Nachrichten zur Evolutionstheorie: Hier zwei schöne und zwei beängstigende Nachrichten, ein (hilfloser?) Versuch zur Vereinbarung von Wissenschaft mit Glaube und ein Versuch, nicht in Depression zu enden.

Interessant sind neue Ergebnisse zu der Frage, warum Rieseninsekten mit bis zu 70cm Spannweite nach ihrem Hochphase vor rund 300 Millionen Jahren ausstarben. Bisher sah man vor allem Zusammenhänge mit dem Sauerstoffgehalt der Luft, nun wird plausibler, dass die Evolution der Vögel die Großinsekten zurückdrängte. Aktuelle Artikel dazu gibt es zahlreiche, hier zwei Links in englisch und deutsch.

Einen schönen Artikel gibt es in den ScienceBlogs von Martin Bäker zu der Frage, wie die Evolution der Beine begann. Kernergebnisse biomechanischer Untersuchungen ist: Beine entwickelten sich schon im Wasser und dienten dem Kriechen auf dem Boden. Sie entstanden also nicht „plötzlich“ für die Eroberung des Lands. Trotzdem werden einige Kreationisten wohl die Entstehung von Beinen durch Evolution weiterhin unmöglich nennen.

Die schlechten Nachrichten haben dann auch mit den Gegnern der Evolutionserkenntnisse zu tun. Die erste Nachricht ist, dass eine Gallup-Umfrage in den USA folgendes erbrachte:

  • 46% glauben, dass Gott alle Lebewesen in ihrer heutigen Form schuf
  • 32% glauben, dass es eine Evolution gab, die von Gott gelenkt wurde
  • 15% gehen von einer Evolution ohne göttlichen Eingriff aus
  • 7% hatten keine Meinung

Das oben verlinkte Langfristchart zeigt, dass diese Werte über die Zeit hinweg sehr stabil sind. Dies löste eine Welle von Artikeln aus. Drei Beispiele:

  1. Michael Dowd meint, die Fragen seien falsch gestellt worden.
  2. Jonah Lehrer meint, dass diese Ignoranz kognitionspsychologisch erklärt werden kann.
  3. William Doehring weist auf die höheren Kreationismus-Werte bei Republikanern und Personen ohne Schulabschluss hin.

Natürlich rauscht auch der elektronische Blätterwald in Deutschland z.B. bei hpd, wissenrockt und Heise. In den USA bemüht sich Michael Ruse noch darum, Gläubigen klar zu machen, dass Kreationismus Gott schmälert. Er schreibt: „the greatest crime is blocking our children from seeing what a wonderful world in which we humans live and how (for those of us who are religious) God’s greatest gift was giving us the abilities to discover this world„.

Aber während er dies schreibt, treiben konservative Kräfte die Evolutionstheorie aus den Klassenzimmern, z.B. im Bundesstaat Tennessee, wo Lehrer nun per Gesetz ermuntert werden, gegen Evolution und Klimawandel zu argumentieren. Apropos Klimawandel: Noch einen Schritt weiter geht man im Bundesstaat North Carolina, wo man gleich die korrekte Berechnung des Meeresanstiegs durch Klimawandel per Gesetz verbieten will.

Leider gibt es in dieser Hinsicht auch schlechte Nachrichten aus anderen Ecken der Erde: Im hochindustrialisierten und gebildeten Südkorea ordnet überraschend ein Ministerium die Streichung von Evolutionsbelegen aus Schulbüchern an, was zu diversen Kommentarartikeln in englisch und deutsch führte.

Aktionen wie in Tennessee laufen wieder einmal unter der Überschrift „Academic Freedom Law“ und dem Deckmantel „Teach the controversy“ ohne das es irgendeine Kontroverse innerhalb der Wissenschaft über die prinzipielle Richtigkeit der Evolutionstheorie gibt.

Es wird immer wieder darauf hingewiesen, dass Glaube und Wissenschaft vereinbar seien, wenn Evolution als der Weg angesehen wird, durch den Gott die Schöpfung bewirkte. Selbst in erzkonservativen katholischen Medien wurden schon Vatikan-Wissenschaftler mit den Worten zitiert, Kreationismus sei heidnisch. Die Praxis zeigt jedoch, dass es starke Kräfte gibt, die an der wörtlichen Interpretation der Bibel festhalten wollen und dies wo sie können auch durchsetzen. Dies zu ignorieren, wäre naiv.

Aber um nicht depressiv zu enden, schließe ich mit zwei „kooperativen“ Hinweisen; einem interessanten neuen Ansatz und einem unterhaltsamen Video:

  • Ein neues Modell zur Entwicklung kooperativen Verhaltens wurde vom Max-Planck-Institut für Evolutionsbiologie in Plön vorgestellt und fand auch schon den Weg in die internationalen Nachrichten.
  • Generell ist es spannend zu sehen, was in den letzten Jahren zum Thema Evolution der Kooperation herausgefunden wurde. Zur Unterhaltung verlinke ich hier einen schönen TED-Vortrag von Frans de Waal zur Entwicklung moralischen Verhaltens bei Primaten:
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