Die ganz private Entdeckung der Wissenschaft

Phil Plait ist der Blogger, der BadAstronomy-Blogger betreibt. Dieser Blog wurde 2009 vom Time-Magazin unter die besten 25 Blogs weltweit gewählt. Heute schrieb er auf Slate einen Artikel mit dem Titel „A Moment of Science“, in dem er sich daran erinnert, wie er zur Wissenschaft kam. Er beschreibt darin, wie er als Fünfjähriger zum ersten Mal durch ein Fernrohr schaute und den Saturn sah. Danach war es um ihn geschehen: Er wollte Wissenschaftler werden und wurde es auch.

Er wünscht sich mehr solcher „Saturn-Momente“ für junge Menschen, aber er befürchtet, dass starke Kräfte zur Zeit in den USA dagegen wirken und es an Eltern und Lehrern fehlt, die begeisterungsfähig sind. Er schreibt:

„In the United States right now, science is under attack. In government, in schools, from religions. A large fraction of the American public is rejecting it … unfortunately, it is very easy to make sure a child does not love science. For that, any number of things will do: parents who don’t encourage their children to be curious or teachers who aren’t prepared to teach it. The best way to turn a kid off to science forever is to make her sit through endless lectures, forcing her to memorize fact, dates, numbers, and equations.“

Sein Artikel ist an Plädoyer an Eltern und Lehrer, Kindern Freude an Wissenschaft zu vermitteln. Sie sollen ihnen aufzeigen, wie Wissen die Wahrnehmung der Welt bereichert und das unsere Gesellschaft voller technischer Errungenschaften ist, die wir wissenschaftlichem Fortschritt verdanken (Und – persönliche Anmerkung – wie wir mit Hilfe der Wissenschaft auch wieder ein paar der Probleme lösen können, die wir mit ihr geschaffen haben).

Beim Lesen des Artikels fragte ich mich, wie meine Jugend in dieser Hinsicht war. Da gibt es gemischte Erinnerung:

  • Eine davon ist die Erinnerung an einen Chemiebaukasten, den ich in der Küche meiner Eltern in die Luft jagte, so dass die Wände voller roter Flecken waren. Die Küche musste neu gestrichen werden und ich durfte die Experimente nur noch im kalten Keller durchführen, wo ich rasch die Lust verlor. Der Wunsch nach einen Physikexperimentierkasten wurde natürlich verweigert.
  • Eine sehr positive Erinnerung ist die an einen Lehrer, der uns beibrachte, wie man strukturiert denkt und einen Text effizient analysiert, in dem man die Kernbegriffe herausfindet und dann die Beziehung zwischen diesen beschreibt: Seine Methode verwende ich bis heute.
  • In meiner Jugend störte mich an Politik stets, dass die Positionen, die man dort vertreten konnte, alle in ihrer Richtigkeit nicht belegbar waren. Ein geistiges Erweckungserlebnis war das Buch „Walden Two“ von B.F. Skinner, in dem er eine Gesellschaft beschreibt, die sich selbst optimiert in dem sie ausprobiert, was funktioniert und was nicht. Diese ideologiefreie Herangehensweise fand ich faszinierend und das Buch brachte mich dazu, später naturwissenschaftliche Psychologie zu studieren.
  • Später schrieb ich ein paar Bücher über Computerprogrammierung: Hier ist meine stärkste Erinnerung, wie ich zum ersten Mal einen Würfel auf dem Bildschirm animiert rotieren lies. Dies ist ewig her: Damals ging dies wegen der begrenzten Rechenkapazität von Heimcomputern zunächst nur ruckelig mit Drahtgittermodellen, aber es war wie schöpferische Zauberei.

Vielleicht haben Sie ja auch persönliche Erlebnisse in Ihrer Jugend gemacht, die Sie an Wissenschaft heran oder von ihr weg führten. Es würde mich freuen, davon zu hören.

 

Image credit: NASA/JPL-Caltech/Space Science Institute
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9 Gedanken zu “Die ganz private Entdeckung der Wissenschaft

  1. Lieber Epikur63, schon seit einiger Zeit schaue ich immer wieder einmal bei Ihrem Blog vorbei. Sie bringen zu meiner Freude – es ist so – ein vielseitig und differenziertes Themenspektrum ein! Danke Ihnen vielmals und auch herzlich dafür. Dieser Beitrag spricht mich nun auch persönlicher an und ich muß Ihnen offen sagen, eigentlich habe ich über mein Verhältnis zu dem Spektrum der Wissenschaft, für das Sie stehen, noch nie tiefer nachgedacht. Vom Elternhaus musisch und in Richtung Geisteswissenschaften gelenkt, war und ist das meine Plattform für meine Weltneugier. Können Sie mir vielleicht ein paar grundlegende Techniken wissenschaftlichen Denkens/Ihres Denkens vermitteln? Selber sehe ich mich als ganzheitliches Wesen, das wiederum nur in der Bedingtheit seiner geschöpflichen natürlichen Teilhaftigkeiten existieren kann. Einen dualistischen Ansatz Körper-Seele-Geist habe ich nicht, das scheint mir unsere Seinswirklichkeit nicht zutreffend modellhaft zu erfassen. Religiöse Systeme hinterfrage ich kritisch und ernsthaft und am ehesten würde ich mich als religiöse Agnostikerin einordnen.
    Ich möchte Sie jetzt nicht überstrapazieren…. aber es würde mich freuen, von Ihnen einmal weiteres dazu zu hören.
    Tschüss
    Viktoria

    • Danke für Ihren Kommentar. Ähnlich wie Sie habe ich mich in meiner Jugend mehr für Literatur und Philosophie interessiert: Erste Kontakte zu Naturwissenschaften wurden eher nicht ermutigt (ich beschrieb die Geschichte mit dem Chemiebaukasten), so dass ich erst später an diese Bereiche herangeführt wurde. Ich hatte ohnehin vor einen Blogbeitrag zu der Frage zu schreiben, wie Naturwissenschaft eigentlich funktioniert und welche Denkweisen darin stecken, die man im eigenen Alltagsleben oder bei der Entwicklung des eigenen Weltbilds nutzen kann.
      Ein Beispiel wäre, wie Naturwissenschaften zu ihren Theorien gelangen. Weit verbreitet ist immer noch die Vorstellung, dass Wissenschaftler Beobachtungen machen, welche dann zu Theorien verdichtet werden, die „wahr“ sein sollen (wahr = die Welt korrekt beschreiben). In der philosophischen Erkenntnistheorie nennt man diesen Ansatz Positivismus.
      Heute weiß man, dass dieser Weg nicht funktionieren kann. Der Anspruch an wissenschaftliche Theorien ist heute ein anderer: Sie sollen Beobachtungen erklären, aber nicht den Anspruch haben, die Welt wahr zu beschreiben. Zu diesem Zweck müssen sie ein paar Gütekriterien erfüllen wie Einfachheit und Widerspruchsfreiheit, aber das Entscheidende ist, dass sie nicht als endgültig richtig gelten, sondern dass neue Erfahrungen jederzeit zu ihrer Umgestaltung führen dürfen und sollen. In der Erkenntnistheorie wird dieser Ansatz als kritischer Rationalismus bezeichnet.
      Auf den ersten Blick ist dieser zweite Ansatz unbefriedigender, weil das Ziel nicht Wahrheit ist und jede Theorie nur den Charakter des Vorläufigen hat. Andererseits ist auch dies gerade das Faszinierende: Die dahinter stehende Denkweise fördert Neugier, Offenheit, Toleranz und die Bereitschaft, sich überraschen zu lassen. Karl Popper, auf den der Ansatz zurückgeht, konstruierte parallel dazu eine Gesellschaftstheorie. Die darin steckende Toleranz ist übrigens nicht beliebig, sondern kennt auch Grenzen, die der Titel seiner Bücher dazu schon nennt: „Die offene Gesellschaft und ihre Feinde“.
      Es gibt übrigens noch andere Wissenschaftler, bei denen die mathematisch-naturwissenschaftliche und die geisteswissenschaftlich-politische Seite zu finden sind: Sehr spannend finde ich z.B. Bertrand Russell, der moderner Mathematik (vorläufig) eine neue Grundlage gab und später als Philosoph den Nobelpreis für Literatur erhielt. Auf die bekannte Frage, welches Buch man auf eine einsame Insel mitnehmen möchte, nenne ich immer sein Werk „Denker des Abendlands“.
      Ich werde Ihre Anregung aufgreifen und zur naturwissenschaftlichen Methode einmal etwas schreiben.

        • Die beiden Bücher von Russell sind eng verwandt:
          „Philosophie des Abendlandes“ erschien 1945 unter dem Titel „A History of Western Philosophy“. „Denker des Abendlandes“ erschien 1959 unter dem Originaltitel „Wisdom of the West“. Das Buch von 1945 ist das ausführlichere.

          Danke für den Link zum Text über Meister Eckhart. Ich gestehe, dass zu der Philosophie der deutschen Mystiker keinen engen Bezug habe; generell hat Eckhart z.B. auf die Theologie aus meiner Sicht keine große Wirkung hinterlassen.

          Interessant finde ich seine Wirkung auf die deutsche Sprache (er schrieb ja nicht in Latein): Um innere religiöse Erfahrungen zu vermitteln führte er Worte ein, die wir heute ganz selbstverständlich verwenden, wie z.B. Eindruck, einleuchten und einsehen.

  2. Beabsichtigt hatte ich, diesen Link assoziativ zu Ihrem informativen Beitrag „Pfingsten…(..)“ zu posten wo er sinnvoller eingestellt wäre. Dann kam es doch irgendwie nicht dazu. Soviel ich weiß, gibt es eine Stiftung, die sich interdisziplinär wissenschaftlich u.a. mit Eckharts Wirkung auf die Theologie und Philosophie vielseitig befasst und forscht. Zu Ihrem Hinweis bezüglich der deutschen Sprache noch: Gelassenheit ist auch ein Ausdruck, den er geschaffen hat. Gelassenheit wie er sie verstand, als radikales Loslassen jeglicher geistiger/geistlicher Begrifflichkeiten, Bildhaftigkeiten und Dogmatik, um wesentlicher Einsicht teilhaftig sein zu können, brachte ihn dann auch als vermeintlichen Häretiker vor die kirchliche Inquisition.Gelassenheit in diesem Verständnis: Heute ein Thema vieler meditativer Übungswege, zumindest sehe ich hier Zusammenhänge in einem durchaus breiteren heilerischen Spektrum.

  3. Hallo epikur63, Du schreibst:
    „…wie wir mit Hilfe der Wissenschaft auch wieder ein paar der Probleme lösen können, die wir mit ihr geschaffen haben“
    Ich denke wir kommen aus diesem deadlock nie wieder raus. Wissenschaft und Technik müssen die Probleme lösen die wir in früheren Zeiten mit ihnen geschaffen haben und wir sind heute gerade dabei die Probleme der Zukunft zu schaffen. Teils sogar sehenden Auges aber, sehr wahrscheinlich auch welche die wir uns jetzt noch gar nicht vorstellen können.

    Aber der Mensch scheint so gestrickt zu sein, irgendwie scheint es mit dem Belohnungssystem im Hirn zu tun haben, dieses Streben nach Erkenntnis. Ich schliesse da jetzt einfach mal von mir auf andere und bringe im Folgenden anekdotische Beweise. Wissenschaftlich gesehen ist das natürlich nicht zulässig, aber ich bin ja auch kein Wissenschaftler 😉

    Ich bekam als Kind einen Elektronik-Experimentierkasten geschenkt. Einen Philips EE 1003, hier ein paar Bilder und sogar Anleitungen als PDF: http://norbert.old.no/kits/ee1000/ee1003.html. Es war ein überwältigendes Erfolgserlebnis als das Radio endlich funktionierte. Man brauchte zwar nur nach der Anleitung alles zusammenstecken, aber vor lauter Ungeduld fing ich direkt mit dem Radio an, anstatt erst mit einfacheren Schaltungen Erfahrungen zu sammeln. Auch befolgte ich „RTFM“ natürlich nicht genau und musste dann mühsam die Fehler suchen und beseitigen. Irgendwann hatte ich die Schaltungen in der Anleitung durch und dachte mir einfache, mehr oder weniger praktische eigene Anwendungen aus, z.B. eine „Elternwarnanlage“.
    Das war eine sehr praktische Einrichtung, man konnte ohne Sorge vor Entdeckung bis spät in die Nacht lesen, wenn die Eltern abends unterwegs waren. Kamen sie nach Hause war man frühzeitig gewarnt und konnte das Buch weglegen, Licht ausmachen, die Decke über die Ohren ziehen und sich schlafend stellen. Etwas Ärger bekam ich als meine Mutter beim Staubsaugen im Flur die Drähte zum Wohnungstürkontakt der Elternwarnanlage entdeckte. Dumm nur das die Drähte natürlich direkt in mein Zimmer führten und so den Urheber entlarvten, heute würde man sowas wohl drahtlos machen 😉

    Später bekam ich auch einen Kosmos Chemie-Kasten. Der hat mich viel Geld gekostet, alle paar Monate trug ich einen nicht unerheblichen Teil meines Taschengeldes zu einem örtlichen Laborbedarf. Ein popliges Becherglas war für meine Verhältnisse schon recht teuer, Geräte mit Normschliff ein gefühltes Vermögen wert. Da ich von Anfang an im Keller experimentieren musste, ergab sich aber auch ein gewisses Aufsichtsproblem:
    Die „lauten“ Experimente waren natürlich die interessantesten. Solche waren zwar mit dem Kasten nicht direkt möglich, aber man hatte schnell raus wo man bestimmte Chemikalien herbekam. Irgendwann hat es dann mal zu laut geknallt, ich wurde erwischt, und es kam auch raus das ich Mutters Kaffemühle bei irgendeiner dringenden Zerkleinerungsaktion ruiniert hatte. Ich glaube ich hatte danach recht lange Keller-Verbot.

    Da ich ein altes Aquarium geschenkt bekam, widmete ich mich der vergleichsweise ungefährlichen Tierwelt des nassen Elementes.
    Die interessantesten Bewohner waren, neben verschiedenen kleinen Fischen: Teichmolch, Gelbrandkäfer, Gelbbauchunke (http://de.wikipedia.org/wiki/Gelbbauchunke), letztere ist leider heute sehr stark gefährdet, was zu ungewöhnlichen Massnahmen führt: http://www.aachener-zeitung.de/artikel/1122301
    Auch einen Süsswasserpolyp hatte ich mal unbemerkt mitgefangen: http://de.wikipedia.org/wiki/Süsswasserpolyp
    Mein Vater erzählte mir etwas von Pantoffeltierechen. Ein Mikroskop musste her um die Mikroorganismen im Wasser sehen zu können, faszinierend, eine eigene Welt tat sich auf. Nur ein Pantoffeltierchen hab ich leider nie gefunden 😉

    Während eines Familienausflugs fand ich an einem Schieferfelsen unzählige Pyritkristalle (http://de.wikipedia.org/wiki/Pyrit), eingewachsen in den Stein, manche waren perfekte Würfel. Einige Monate interessierte mich nichts anderes. Alle zugänglichen Steinbrüche in Fahradreichweite wurden abgeklappert, leider ohne weitere schöne Kristalle zu finden, also wurde sich im Bücherbus mit Literatur eingedeckt. Aber ein Muschelabdruck aus einem der Steinbrüche gab schon das nächste Thema vor: Fossilien und Erdgeschichte.

    Kurz: Mich hat alles in der Natur interessiert, ob belebt oder unbelebt. Jedes Stükchen Wissen hab ich aufgesogen wie ein Schwammm (meinte zumindest später ein Freund). Aber es war auch viel Nutzloses (im Sinne von Feynmans Vater) dabei und lief ziemlich unstrukturiert ab: Priorität hatte, was gerade die grösste Neugier erzeugte.

    Zurück zum nächtlichen Lesen: Der Bücherbus spielte eine wichtige Rolle da er mich sozusagen mit Theorie versorgte, zwar fast nur populärwissenschaftlich und ich verstand auch nicht alles, aber dennoch brachte mir manche Lektüre so einige Aha-Erlebnisse.
    So war es oft möglich sich mittels Analogieschlüssen eigene Hypothesen über Beobachtetes zurechtzuzimmern. Und ab und zu fand sich die eine oder andere Hypothesen später in irgendeinem Buch betsätigt. Das löste bei mir zunächst verwunderung aus, als das öfters passierte fühlte ich einen gewissen Stolz ob dieser „Nachentdeckung“ und dachte: Das ist der Stoff aus dem Wissenschaftler sind ;-). Dises gute Gefühl sorgte wohl für die dauerhafte Motivation mich hauptsächlich mit Natur und Technik auseinanderzusetzen.

    Eine wichtige Rolle spielt wohl auch das Fehlen oder weit geringer ausgeprägtes Bestrafungssystem im Hirn (bei mir gab es nur ein externes, in Form der Eltern und Lehrer 😉 Ich kann mich jedenfalls noch an einige „Hab ichs doch gewusst“-Erlebnisse erinnern, aber kaum noch an die mit sicherheit wesentlich zahlreicheren Holzwege auf denen ich war.
    Aber eine lustige Geschichte ist doch haften geblieben: Meine Eltern schafften sich ihren ersten Fernseher an, lange bevor ich den Elektronikkasten bekam. Ich war fasziniert (und „faszinierend“ wurde einige Jahre später zu meinem Lieblingswort, wegen dem Typ mit den spitzen Ohren). Ich konnte mir aber nicht erklären wie die Bilder in den Kasten kamen, also ging ich der Sache auf den Grund. Glücklicherweise war ich noch nicht so drauf alles auseinandernehmen zu müssen, also schaute ich mir den Kasten erstmal von hinten an. Auffällig waren die zwei Leitungen, ich kannte bisher nur Geräte mit einer Leitung. Also schaute ich mir die unbekannte Antennenleitung genauer an und zog den Stecker ab. Da waren zwei konzentrische Metallröhren und dazwischen war ein Abstand. Ich schloss messerscharf: Die Bilder kommen aufgerollt, ganz schnell hintereinander durch das Kabel und der schwere Kasten dient dazu sie abzurollen, irgendwie so ähnlich wie beim Daumenkino 😉
    Hätte ich versucht einen Fernseher nachzubauen wäre das ein schönes Beispiel für einen Cargo Kult wie in Feynmans Beschreibung geworden: http://de.wikipedia.org/wiki/Cargo-Kult-Wissenschaft#Feynmans_Verwendung_des_Begriffs

    Heute bin ich selbständig und entwickle Elektronik, habe eins der Hobbys zum Beruf gemacht. Auch wenn bei dieser Arbeit weniger Entdeckerfreuden zu geniessen sind, eins hat sich seit dem ersten Radio nie geändert: Die Freude wenn man die Ursache für einen hartnäckigen Fehler gefunden und verstanden hat. Dabei spielen auch wieder Hypothesen eine wichtige Rolle, ohne solche über die möglichen Fehlerursachen, abgeleitet aus Symptomen, ist z.b. keine Fehlersuche möglich. Hinzugekommen ist die tiefe Befriedigung etwas funktionieren zu sehen das man selbst, mit Hirn und Hand, auf den Schultern von Giganten stehend, geschaffen hat. http://de.wikipedia.org/wiki/Zwerge_auf_den_Schultern_von_Riesen

    Da mir seit einer früheren Tätigkeit als Ausbilder (aber auch einigen anderen Gründen) die Nachwuchsförderung am Herzen liegt, zum Schluss noch ein Hinweis auf ein spezielles Projekt: http://de.wikipedia.org/wiki/Raspberry_Pi, http://www.elinux.org/DE:R-Pi_Hub
    Ich plane Bauanleitungen für einfache Hardwareerweiterungen zu erstellen, um im Zuge dieses Projekts vielleicht auch ein wenig Interesse an Hardware-Grundlagen zu wecken.
    Vielleicht liest ja jemand hier mit der auch Spass daran hat zu diesem Charity-Projekt etwas beizutragen.
    >~~<

      • Ich hätte da noch eine ganze Menge mehr auf Lager, z.B. wie ich ein Atheist wurde (mit Experiment), unfreiwillige Selbstversuche mit UV-Strahlung (inclusive unbegründeter Angst blind zu werden), Erfahrungen mit meinen Lehrern und später „auf der anderen Seite“ zu stehen, warum ich doch kein Wissenschaftler geworden bin. Für einen Kommentar war das bisherige aber schon viel zu lang.

        Wenn ich mir so Deine Nick-notorische Zahl anschaue und von einem Fertigungsjahr ausgehe, bin ich wohl 1/5 Jahrzehnt jünger 😉

        But now for something completely different:
        Es schwirren unter Physik-Bloggern seit einigen Tagen Gerüchte herum, beide grossen Experimente am LHC hätten nun rund 4 Sigma für das Higgs-Boson bei 125GeV. In zwei Wochen, auf der ICHEP 2012, werden die neuen Ergebnisse bekanntgegeben. Sollten sich die Gerüchte bewahrheiten, ist es sehr unwahrscheilich das sie das Higgs nicht gefunden haben. Dann könnten damit (in Verbindung mit der Möglichkeit einer Vakuuminstabilität http://en.wikipedia.org/wiki/Vacuum_instability) für unser Universum interessante Konsequenzen verbunden sein. Hier ein etwas älterer Blogeintrag von Philip Gibbs:
        http://blog.vixra.org/2011/12/04/what-would-a-higgs-at-125-gev-tell-us/
        Ein metastabiles Vakuum wäre natürlich einerseits ein mögliches Doomsday-Horror-Szenario. Andererseits vielleicht eine Antwort auf die Frage „Was war vor dem Urknall“.

        Philip Gibbs ärgert übrigens ganz gerne die Kollaborationen (oder besser: Manche der Beteiligten) am CERN indem er selbst Kombinationen der Ergebnisse der Einzelexperimente erstellt, letztes Jahr 2 Monate bevor CERN dies offiziell tat. Dabei bedient er sich nur den schon veröffentlichten Einzeldaten. Die Ergebnisse waren erstaunlich nah an den offiziellen: http://blog.vixra.org/2011/11/18/new-higgs-combinations-realeased/

        Sein Blog hält einen gut auf dem Laufenden was den LHC angeht, sowohl was das Operationelle als auch Ergebnisse und Theorie angeht.

        Das Faszinierende am CERN und speziell am LHC ist das man als Aussenstehender einen sehr tiefen Einblick bekommen kann. Das geht über die laufenden Aktivitäten in Echtzeit, bis hin zu Konstruktionsplänen. Mir ist kein anderes Forschungsprogramm bekannt was derart öffentlich betrieben wird. Hier hat jemand ein paar CERN-LHC-Seiten auf einer zusammengefasst, es ist aber aber nur eine kleine Auswahl: http://meltronx.com/index.html (im Moment läuft allerdings „Machine Development“, also kein Normalbetrieb der Anfang Juli wieder startet).
        Wer sich dafür interessiert sollte dieses Jahr noch reinschauen, gegen Ende des Jahres ist erstmal mindestens ein Jahr Pause am LHC.
        Wenn gewünscht stelle ich gerne eine kommentierte Linkliste zusammen.
        >~~<

  4. Da hier mehrfach die Geschichte mit den Experimentierkästen erwähnt wird, möchte auch ich etwas berichten von meinen ersten „natruwissenschaftlichen“ Versuchen. Es fing an mit dem KOSMOS-Chemiemann, mit dessen Hilfe u.a. kleine Bomben hergestellt wurden, die dann auf unserem Balkon explodierten – sehr zum Missfallen meiner Mutter. Diese hat mir dann aber weitere KOSMOS-Kästen geschenkt, den OPTIKUS- und FOTOmann, und vor allem den RADIOMANN, der mich so infizierte, daß ich später ein Semester Elektrotechnik studierte, bevor ich zur Mathematik überwechselte. Der Einfluß solcher Experimentierkästen auf Kinder und Jugendliche ist glaube ich nicht von der Hand zu weisen. Die neueren KOSMOS-Kästen haben auf meine Kinder allerdings abschreckend gewirkt, und zwar wegen der Anleitungen, die in einem blöden Ton geschrieben sind: Da ist dann immer irgendein Onkel Hans oder Professor X, die sich mit einem angehenden Jungwissenschaftler „unterhalten“, das ganze wirkt furchtbar „pädagogisch“ und ist den alten Bauanleitungen – wo es einfach gleich zur Sache ging – in keiner Weise ebenbürtig. Aber es gibt ja nicht nur KOSMOS, sondern viele andere solche Kästen.

    Der Autor „epikur63“ erwähnt auch noch den Einfluß der Lehrer auf die Wissenschaftsblidung, da kann ich ihm nur Recht geben. Es kann viel kaputtgemacht werden, und umgekehrt kann Interesse geweckt werden. Ab einem bestimmten Alter können Lehrer allerdings kaum noch verhindern, daß ihre Schüler sich in eine gewisse Richtung entwickeln.

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