Richard Feynman: The pleasure of findings things out

Auf einer der Überschriftseiten dieses Blogs („Was bedeutet frei?“) verwende ich ein Zitat von Richard Feynman. Für diejenigen, die ihn noch nicht kennen: Hier sind ein paar kurze Hinweise (und pastafari hat als Kommentar auf der Überschriftseite noch zwei Links hinterlassen).

Feynman war ein Physiker, der von 1918 bis 1988 lebte. Während des zweiten Weltkriegs arbeitete er im Manhattan-Projekt an der Atombombe. Im Jahr 1965 erhielt er den Nobelpreis für seine Arbeiten zur Quantenelekotrodynamik und ist auch heute noch eine faszinierende Person. Hier sind ein paar Gründe dafür.

Zunächst eine kleine Nebenbemerkung zum Projekt der Atombombenentwicklung, an der er mitwirkte: Der Name „Manhattan-Projekt“ ist sehr bekannt. Weniger bekannt ist der Name der ersten Atombombenexplosion: Der Trinity-Test. Die erste Atombombe wurde also nach der heiligen Dreifaltigkeit benannt. Manche Japaner sprachen deshalb auch von der „christlichen Bombe„. Mit all dem hatte Feynman jedoch nichts zu tun: Er stand Religion skeptisch gegenüber.

Feynman ist immer noch eine überaus populäre Person nicht nur weil er den Nobelpreis erhielt. Seine Popularität liegt zum einen daran, dass er Wissenschaft stets verständlich vermitteln wollte und einige interessante Bücher in diese Richtung schrieb. Das bekannteste ist vermutlich „Sie belieben wohl zu scherzen, Mr. Feynman„. Ein zweiter Grund für seine Popularität war seine charismatische Persönlichkeit: Er wirkte lebendig, lebenslustig, neugierig und begeistert von dem was er tat.

Sehr schön kommt dies in einem bekannten Film zum Ausdruck: „The pleasure of finding things out„. In diesem rund 50 Minuten langen Film erzählt er über sein Leben und seine Sicht auf die Welt. Der Einstieg des Films ist gut gewählt: Feynman erzählt von einem Freund, der Künstler ist. Dieser formulierte am Beispiel einer schönen Blume einen Vorwurf, den man der Wissenschaft häufig macht: Dadurch, dass die Wissenschaft analysiere und zergliedere, zerstöre sie die unmittelbare Schönheit der Wahrnehmung der Blume.

Feynmans Antwort ist: Nein, natürlich ist er als Forscher auch fähig, die Schönheit dieser Blume zu genießen. Was Wissenschaft tut, ist dem etwas hinzuzufügen. Wer Wissen hat, sieht mehr als nur die Blume: Er sieht die faszinierende Komplexität ihres Aufbaus, weiß um die evolutionäre Geschichte dieser Pflanze und wie sie in Symbiose mit Insekten lebt. Dieses hinzugefügte Wissen ist darüberhinaus selbst nicht nur eine trockene Ansammlung von Fakten, sondern trägt in sich wieder Schönheit und Inspiration. Die Augen sehen, aber mit Wissen kann der Geist so viel mehr erkennen.

Zu Beginn des Films erzählt Feynman einiges über seinen Vater, der ihm schon als Kind aus der Encyclopedia Britannica vorlas und seinem Sohn beibrachte, nicht nur zu lesen, sondern auch zu verstehen: Wenn dort z.B. von der Größe eines Sauriers die Rede war, dann wurde gefragt, was diese Größe im Vergleich zum Haus, in dem die beiden gerade saßen, bedeutet. Von seinem Vater übernahm er auch die Skepsis gegenüber Autoritäten.

In einer schönen Anekdote geht es um einen Vogel, den ein anderer Junge Feynman mit der Frage zeigte, ob er wisse, was das sei. Feynman kannte den Namen des Vogels nicht, so dass der andere Junge sich über ihn lustig machte. Feynmans Vater ging anders an die Sache heran: Er nannte seinem Sohn den Namen des Vogels, aber auch, wie dieser in anderen Ländern hieß. Die Botschaft war: Wer den Namen des Vogels kennt, weiß nichts über den Vogel, sondern nur etwas über Menschen, nämlich wie diese den Vogel nennen. Und dann hieß es: Nun lass uns einmal wirklich etwas über den Vogel lernen. Solche Väter wünscht man sich.

In der Mitte des Films geht es um seine Mitarbeit an der Atombombe. Man merkt, dass es ihm nahe geht, wie unkritisch er an den Feiern des geglückten Angriffs auf Hiroshima teilnahm, während zur gleichen Zeit in Japan Menschen an den Folgen seiner Arbeit starben.

Gegen Ende des Films geht um Wissen und Nicht-Wissen. Diese Passagen sind inhaltlich nahe an dem Zitat, welches ich von ihm verwende. Es geht ihm darum, der Welt offen für Neues gegenüber zu stehen um zu schauen, wie sie wirklich ist. Nicht-Wissen ist kein Grund für Ängstlichkeit oder etwas Schlechtes, sondern eine faszinierende Motivation. Der Name des Films ist gut gewählt: Welche „Pleasure“ das Forschen für ihn war, ist über die gesamten fünfzig Minuten fühlbar. Sehr empfehlenswert.

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